1. Tag der Entscheidung

Eine Weltreise…ich behaupte mal, dass sehr viele Menschen an irgendeinem Punkt in ihrem Leben mal diesen Wunschgedanken haben. Aber die meisten verwerfen ihn wohl auch genauso schnell wieder.

  • Das geht doch nicht.
  • Das kostet zu viel.
  • Ich kann ja nicht einfach alles hier lassen.
  • Da fehlt mir die Sicherheit.
  • Ich werde Heimweh bekommen.
  • Ich habe Angst.
  • Ich habe niemanden, der mitgeht.

Ich gebe zu, dass es sicher Phasen im Leben gibt, in denen so ein Vorhaben einfacher zu realisieren ist, als andere. Aber hey, es gibt Leute, die reisen mit kleinen Kindern durch die Welt. Da werde ich wohl meinen eigenen Arsch hochkriegen.


Frühe Vorgeschichte

Ich hatte noch nie Heimweh, aber dafür ständig Fernweh.

Ich glaube, das erste Mal habe ich an eine Reise, oder zumindest ans „einfach Losziehen“ gedacht, da war ich vielleicht 10 Jahre alt. Nach einem Streit mit meinem Papa (höchstwahrscheinlich völlig gerechtfertigt und höchstwahrscheinlich wegen ununterbrochenem TV-Konsum ;-)) lag ich abends im Bett und habe darüber nachgedacht, dass ich einfach weggehen könnte…der Teddy muss mit…ich könnte Oma und Opa besuchen (damals 550 km entfernt)…Papa würde mich sicher vermissen und danach nicht mehr sauer sein…die Barbie muss auch mit…

Achja, wer wollte als Kind nicht mal ausreißen?!

Später wollte ich ein Auslandsjahr machen – zumindest ist in der 12. Klasse ein 3-wöchiger USA-Austausch draus geworden.

Dann dachte ich über einen Au-Pair-Aufenthalt nach der Schule nach – aber mit Kindern hatte ich es nie so.

Danach wollte ich Flugbegleiterin bei Lufthansa werden – aber ich war mit 1,60 m zu klein.

Und überhaupt haben meine Eltern erst mal einen ordentlichen Bildungsweg forciert, also Abi, Studium, Job.

Obwohl ich sehr behütet aufgewachsen bin, hatte ich schon immer den Hang zur Selbständigkeit. Nach meinem Auszug von zu Hause für das Studium konnte ich das auch endlich ausleben.

Am Ende des Studiums, dann der erste echte Ausbruch: Ich habe mich nach Abschluss aller Prüfungen in Regelstudienzeit (es stand nur noch die Diplomarbeit aus und meine Eltern waren einverstanden) um ein halbes Jahr Auslandspraktikum gekümmert. Ich war 6 Monate in Brüssel und habe dort gelebt und gearbeitet.

Es war großartig und es hat mich geprägt und gestärkt.

Direkt danach bin ich für die Diplomarbeit nach Nürnberg gezogen und dort auch jobmäßig hängen geblieben.

Seitdem habe ich einige Urlaube gemacht, habe immer wieder dem Fernweh nachgegeben.

Aber irgendwie war ich auch ständig in einer Beziehung, man denkt irgendwann standardmäßig mit den üblichen Zukunftsplänen, die einem die Gesellschaft mehrheitlich vorlebt und gibt sich mit einer Fernreise pro Jahr zufrieden (was auch schon toll ist!!!).


Direkte Vorgeschichte

Im Jahr 2014 zerbrach meine damalige Beziehung, wir waren verlobt, ich am Boden zerstört. Alle Pläne weg. Mit 31 wieder Single. In dem Jahr war ich kaum weg, ich hatte keine Muße, wusste nicht wohin oder mit wem, war darauf konzentriert stark zu sein, herauszufinden was ich will, meinen Weg zu finden.

Irgendwann Mitte des Jahres hat mein Chef mich gezwungen Urlaub zu nehmen, also bin ich super spontan eine Woche in ein Surfcamp nach Frankreich gefahren, denn ich wollte schon immer mal surfen lernen. Das war toll.

Ende des Jahres wollte ich wegziehen, habe mich aber auf Grund einer Jobperspektive dazu entschieden nur innerhalb Nürnbergs umzuziehen.

Mit dem Umzug zum Jahreswechsel in die neue Wohnung hatte ich mich endlich richtig gefangen. 2015 wollte ich wieder reisen.

Ich wollte weit weg, hatte aber niemanden, der mitkommen konnte und war zu ängstlich, um es gleich ganz allein anzugehen. Also habe ich mir im Januar 2015 eine Reisepartnerin im Internet gesucht. Wir haben telefoniert, uns gut verstanden und 2 Wochen später einfach Flüge nach Thailand für den März gebucht. Da mich das Alleinreisen aber nicht losgelassen hat und sie als Studentin ein anderes Budget hatte als ich, habe ich für mich allein noch 4 Tage Abu Dhabi dran gehangen. Und ich bin die ganze Sache mit Handgepäck angegangen, was die beste Entscheidung ever war.

Wir waren also zuerst im Norden und sind dann in den Süden geflogen und hatten uns auch so tageweise immer mal getrennt. Es war insgesamt einfach toll, ich habe mich so frei und leicht wie schon lange nicht mehr gefühlt.


Point of no return

Irgendwann lag ich auf Koh Lanta am Long Beach in der Sonne und dachte mir „Was hält dich eigentlich davon ab, deinen Job und deine Wohnung zu kündigen und einfach ein halbes Jahr auf Reisen zu gehen!“

Das war der Virus-Gedanke und ich war infiziert.

Wie das Schicksal manchmal so ist, bekomme ich 2 Tage später eine WhatsApp-Nachricht von meinem Chef, der mir zu meinem neuen Job gratuliert. Die Jobperspektive von vor 5 Monaten war plötzlich wieder aktuell, die Auftraggeber hatten sich endlich entschieden und ich hatte damals versprochen die Sache durchzuziehen, wenn wir es bekommen.

Aber ich wusste, dass das neue Projekt zeitlich begrenzt war und so habe ich meine Pläne trotzdem gefasst, um 1 ½ Jahre verschoben, dafür um ein paar Monate verlängert.

Ich wollte eine lange Reise machen!!!


Abschlussgedanken

Irgendwann habe ich angefangen meiner Familie und Freunden von meiner „Idee“ zu erzählen. Großartig überrascht war keiner, Bedenken hatten alle, vielleicht haben sie mich aber auch gar nicht für voll genommen.

Zwischendurch habe auch ich mich nicht mehr für voll genommen, bekam immer mal wieder Zweifel, Ängste und auch die Hoffnung, dass ich ja auch die Liebe meines Lebens kennenlernen könnte und dann gehe ich einfach weg. Was dann???

Aber wisst ihr was? Ich glaube der Leidensdruck und das Fernweh waren noch nicht groß genug und ich noch nicht stark genug…tendierte ich doch wieder dazu, MEINEN Traum von einem Mann abhängig zu machen, der noch nicht mal in Sichtweite war.

Im Frühling 2016 wuchs der Gedanke immer mehr und ein paar weitere ernüchternde Männererfahrungen haben ihr übriges getan.

Schluss damit auf etwas und jemanden zu warten. Wenn jemand zwischendurch in mein Leben treten sollte, dann soll er eben mitkommen oder auf mich warten.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ gepaart mit „Ich will das machen, für mich!“

Am 21.04.2016 habe ich mir ein kleines Moleskine-Notizbuch gekauft, um Ideen, Informationen, Wünsche, Anregungen und dergleichen festzuhalten.

Und bis zum Sommer wollte ich mir Zeit geben, zu entscheiden wann, wie und wo ich meinen Traum umsetzen wollte.

Das ist jetzt und dieser Beitrag geht online und ich werde auf Reisen gehen!