Mein erster Fallschirmsprung

Es war mein 33. Geburtstag, ein Mittwoch, und ich hatte keine Lust ins Büro zu gehen, sondern wollte lieber etwas besonderes machen, etwas Verrücktes.

Ich wusste von einem befreundeten Kollegen, dass er Sportspringer ist, also habe ich ihm nach seinem Sprungplatz gefragt. Ich hatte Glück, der Platz ist normalerweise nicht immer unter der Woche offen, aber es war Sprungwoche, also täglich geöffnet. Spontan hat er entschieden auch freizunehmen und mitzukommen, da er eh noch ein paar Sprünge für seinen Schein brauchte und das Wetter sehr gut werden sollte.

Also sind wir morgens zum Flugplatz gefahren, ich habe die Formalitäten erledigt und dann hieß es warten, lange warten, da so viel los war und nur 2 Tandemlehrer vor Ort waren. Mein Kollege ist an dem Tag vor mir schon 2 Mal gesprungen, dann war ich auch endlich dran. Meiner Familie habe ich kurz vorm Abflug ein Foto von mir in voller Montur geschickt, ich hatte nämlich vorher nicht gesagt, was ich vorhabe. 😉

Komischerweise habe ich mich gar nicht so sehr nervös gefühlt, ich habe mich einfach nur tierisch darauf gefreut. Vorgestellt habe ich es mir wie das Fallgefühl im Schlaf, wenn man träumt, man fällt oder wie beim Free Fall Tower. Eine Freundin hat mir erzählt, es würde total heftig ziehen, wenn der Schirm aufgeht und das Landen tut auch weh. Egal, ich will da an meinem Geburtstag runter!

Und es war großartig!!!

Ich hatte vollstes Vertrauen, zu meinem Tandemmaster Norbert. Er war die Ruhe selbst und ich wusste, ich muss eigentlich gar nichts machen, außer genießen. Als da oben die Tür aufging und erst mal die Sportspringer rausgesprungen sind, war ich dann doch etwas aufgeregt, aber immer noch nicht ängstlich nervös. Wir sind zuletzt zur Tür gerobbt, der Wind war stark, es war laut. Dann der Moment, wenn nur der Tandemmaster noch im Flieger auf dem Boden sitzt und du eigentlich schon an den Gurten frei in der Luft hängst und dann…

…ich habe es erst gar nicht kapiert. Ich sollte den Kopf vorher schon anheben und es war einfach nur Luft und Wind überall. Erst als ich im Augenwinkel gesehen, habe, dass sich das Flugzeug entfernt, habe ich gecheckt, dass ich schon fliege…falle…schwebe! Denn so hat es sich eher angefühlt. Nicht wie gedacht ein Fallgefühl, sondern eher ein statischer Schwebezustand. Schon beim Hochfliegen habe ich gemerkt (so eine kleine Maschine braucht ja viel länger zum Aufsteigen als ein Jumbo), dass ich ab  ca. 500 m Höhe den Höhenanstieg optisch eigentlich gar nicht mehr wahrgenommen habe (ein gekonnter Springer kann das natürlich besser). Es war ab da einfach alles klein. Und das ist beim Fallen auch so. Rein theoretisch wusste ich, dass ich ca. 2500 Meter in 50 Sekunden bei ca. 200km/h zurücklegen werde. Ich dachte, ich würde sehen, wie der Boden näher kommt, ich auf ihn zu rase, aber so ist es nicht. Optisch hat sich der Abstand zum Boden für mich kaum verändert und durch den starken Wind gepaart mit dieser immer gleichen Höhenwahrnehmung hatte ich tatsächlich das Gefühl in der Luft zu schweben.

Es war soooo cool und so viel geiler als das angedachten Traum-Fallgefühl (was ja nicht wirklich schön ist). Das Wetter war spitze, es war warm. Ich konnte es total genießen. Dann bekomme ich das Zeichen, dass der Schirm aufgemacht wird, aber auch das war total smooth. Ein kleiner zarter Ruck und das war es. Dann flogen wir da noch ein paar Minuten durch die Luft und ich durfte den Schirm ein bisschen steuern. Bei den Drehungen wurde mir etwas übel, schließlich kann ich auch kein Karussell fahren, dass sich einfach nur im Kreis dreht. Und dann setzten wir zur Landung an, ich hob meine Beine und saß kurz danach auch schon auf meinem Allerwertesten im Acker. Alles völlig schmerzfrei und sanft.

Fazit

Ich bin absolut begeistert und wenn ich daran zurückdenke, muss ich immer noch lächeln. Das war mit das Coolste, das ich je gemacht habe. Als wir zurück zur Halle kamen, habe ich erst mal meine Eltern und Großeltern angerufen und meine Urkunde entgegengenommen. Und dann wurde ich schlagartig müde. Das Adrenalin, das während der langen Wartezeit und dem Flug und Fall angestaut hatte, war plötzlich weg. Ich war also doch aufgeregt und angespannt. Und so bin ich dort auf den Matten am Boden erst mal eingeschlafen und habe meinem Körper eine halbe Stunde Ruhe gegönnt. Mein Kollege ist nach mir noch mal gesprungen, so dass wir erst abends wieder nach Nürnberg kamen und ich war dann noch spontan mit ihm und 2 anderen Freunden essen.  Meine 33. Geburtstag war einfach rundum spontan und gelungen und ich einfach nur glücklich. Einer der schönsten Tage meines Lebens.

Fallschirmspringen ist kein günstiger Sport, aber an einer tollen Location würde ich es auf jeden fall noch mal machen. Ich hatte großen Spaß!!!

Fakten

Ich bin am Sprungplatz Haßfurt gesprungen und Norbert Adelmann war mein absolut grandioser Tandemmaster.

Es ist ein kleiner Flugplatz und generell war die Atmosphäre sehr familiär und entspannt. Dadurch, dass ich mit einem Freund den ganzen Tag dort war, bin ich mit vielen der Leute dort ins Gespräch gekommen. Ich kann den Sprungplatz absolut empfehlen.

Preislich lag der Spaß für mich bei etwa 200€ inkl. Video von der Handkamera (ich glaube aber, dass es außerhalb der Sprungwoche teurer ist), die der Tandemmaster hatte. Die Daten bekommt man danach vollständig auf einer CD zur eigenen Verwendung.

2 Gedanken zu „Mein erster Fallschirmsprung

  1. Zylka sagt:

    Tolles Video…absolut mutmachend dein Bericht dazu…mit dem Tandempartner wäre ich auch vertrauensvoll gesprungen.👍🏻
    Vielleicht schaffe ich es auch irgendwann mal

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